Hiddensee ist ein echtes Paradies für Wasservögel.
Wenn du dort am Bodden oder am Strand stehst, triffst du auf ein Trio, das sich zwar auf den ersten Blick ähnelt, bei genauerem Hinsehen aber völlig unterschiedliche Charaktere hat.
1. Der Höckerschwan (Der Majestätische)
Der Klassiker auf Hiddensee. Er ist der größte unter den dreien und wirkt immer ein wenig so, als gehöre ihm die Insel (was er wahrscheinlich auch glaubt).
Gefieder: Reinweiß.
Schnabel: Orange mit einem markanten schwarzen Höcker an der Wurzel (daher der Name).
Hals: Meist elegant S-förmig gebogen.
Verhalten: Imponiergehabe mit hochgestellten Flügeln; eher ruhig, aber wehe, man kommt den Jungen zu nahe – dann wird gefaucht.
2. Die Kanadagans (Die Kontrastreiche)
Eigentlich ein Einwanderer aus Nordamerika, aber längst Stammgast an der Ostsee. Sie ist die am einfachsten zu identifizierende Gans.
Kopf/Hals: Tiefschwarz mit einem sehr auffälligen weißen Kehlfleck, der wie ein Kinnriemen aussieht.
Körper: Graubraun mit heller Brust.
Größe: Deutlich größer als die Graugans, fast schon schwanenartig.
Ruf: Ein sehr lautes, tiefes "Ah-honk".
3. Die Graugans (Die Bodenständige)
Sie ist die wilde Ahnin unserer Hausgans und wirkt im Vergleich zur Kanadagans fast ein wenig schlicht, aber sehr robust.
Gefieder: Insgesamt hellgrau-bräunlich, wirkt oft etwas "massig".
Schnabel: Kräftig und komplett orange oder fleischfarben (kein Schwarz!).
Beine: Rosa/Fleischfarben.
Flugbild: Im Flug fallen die hellgrauen Vorderflügel auf, die fast weiß wirken können.
Ruf: Das klassische, laute "Gack-gack", das man vom Bauernhof kennt.
Besonders im Frühjahr und Herbst sind die Salzwiesen im Norden (Richtung Bessin) voll mit Kanadagänsen, Graugänsen, die dort rasten. Die Schwäne hängen lieber in den ruhigen Buchten des Boddens ab.
Hiddensee ist als autofreie Insel und Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ein echtes Refugium. Da es kaum Störungen durch Verkehr gibt, ist die Dichte an Tieren – besonders Vögeln – beeindruckend hoch.
Hier sind die wichtigsten tierischen Bewohner neben den Gänsen und Schwänen:
1. Die Kreuzkröte (Der lautstarke Bewohner)
In den flachen Dünentümpeln im Norden der Insel (Gellen oder Bessin) lebt eine ganz besondere Amphibie.
Merkmale: Ein gelber Längsstrich auf dem Rücken.
Besonderheit: Sie läuft eher, als dass sie hüpft. Ihr nächtliches Konzert im Frühjahr ist kilometerweit zu hören und klingt fast wie ein rhythmisches Schnurren.
2. Der Seeadler (Der König der Lüfte)
Hiddensee bietet perfekte Jagdgründe für den größten Greifvogel Deutschlands.
Merkmale: Riesige Spannweite (bis zu Meter), breite „Brettflügel“, kurzer weißer Schwanz (bei Alttieren) und ein kräftiger gelber Schnabel.
Beobachtung: Meist kreisend über dem Dornbusch oder beim Jagen über dem Bodden zu sehen.
3. Kegelrobben & Seehunde
Zwar liegen sie selten direkt am Hauptstrand von Vitte, aber auf den Sandbänken vor der Insel (besonders Richtung Nationalpark) sind sie Stammgäste.
Unterschied: Die Kegelrobbe hat eine lange, hundeartige Schnauze; der Seehund ein eher rundes „Katzengesicht“ mit deutlichem Knick in der Stirn.
4. Das Wild (Rehe und Füchse)
Da Hiddensee keinen Wald im klassischen Sinne hat (außer am Dornbusch), haben sich die Tiere angepasst.
Rehe: Sie sind erstaunlich wenig scheu und oft in den Küstenschutzstreifen oder sogar am Rand der Dörfer zu sehen.
Füchse: Sie patrouillieren gerne am Spülsaum des Strandes auf der Suche nach angespültem Fisch oder weggeworfenen Snacks.
Ein kleiner Hinweis: Da die Insel zum Nationalpark gehört, ist es super wichtig, auf den Wegen zu bleiben – besonders im Dornbusch und im Gellen, da viele Vögel (wie der Sandregenpfeifer) direkt am Boden brüten.
Hiddensee ist ein Herzstück des Nationalparks und einer der wichtigsten Orte für Vogelbeobachtungen in Europa. Wenn du über Gänse und Schwäne hinausblickst, triffst du auf eine faszinierende Mischung aus Arktis-Urlaubern, majestätischen Jägern und kleinen Spezialisten.
Hier sind die wichtigsten Gruppen und Arten:
1. Die „Vögel des Glücks“: Kraniche
Hiddensee und die angrenzenden Boddengewässer sind einer der bedeutendsten Rastplätze Zentraleuropas.
Merkmale: Bis zu Meter groß, schiefergraues Gefieder, schwarze Hals- und Kopfzeichnung mit einem roten Scheitelfleck.
Wann & Wo: Besonders im Herbst (September/Oktober). Sie schlafen in den flachen Boddengewässern (Süd-Hiddensee/Gellen), um vor Füchsen sicher zu sein, und fliegen morgens laut trompetend zu den Feldern auf dem Festland oder Rügen.
2. Seltene Küstenvögel (Wiesenbrüter & Limikolen)
In den Salzwiesen der Insel brüten Arten, die mancherorts fast ausgestorben sind.
Rotschenkel: Ein Watvogel mit namensgebenden leuchtend orangen Beinen und einem langen, an der Basis roten Schnabel. Er ist sehr laut und gilt als „Wächter der Wiesen“.
Säbelschnäbler: Unverwechselbar durch sein schwarz-weißes Gefieder und den nach oben gebogenen, dünnen Schnabel, mit dem er im Schlick nach Nahrung „siebt“.
Austernfischer: Der „Halligstorch“. Schwarzer Kopf, weißer Bauch, kräftiger roter Schnabel und ein sehr schriller Ruf ("Bi-pink!").
3. Die „Arktis-Gäste“ im Winter
Wenn es im Norden richtig kalt wird, kommen Spezialisten nach Hiddensee, die man im Sommer dort nie sieht.
Eisente: Eine kleine, elegante Meerente. Das Männchen hat im Winter lange Spießfedern am Schwanz. Man sieht sie oft vor der Westküste Hiddensees auf der offenen Ostsee tauchen.
Mittelsäger: Sie haben einen sehr dünnen, gezackten Schnabel (zum Fischefangen) und eine „strubbelige“ Federhaube am Hinterkopf.
4. Weitere Bewohner
Kormoran: Oft auf den Buhnen (Holzpfählen im Wasser) zu sehen, wie sie mit ausgebreiteten Flügeln ihr Gefieder trocknen, da es im Gegensatz zu Enten nicht komplett wasserabweisend ist.
Uferschwalbe: Sie brüten in den Steilküsten am Dornbusch (Norden der Insel), wo sie ihre Brutröhren direkt in den Lehm graben.
Bartmeise: Ein kleiner, zimtbrauner Vogel mit langen „Bartstreifen“ (beim Männchen), der fast ausschließlich im dichten Schilfgürtel des Boddens lebt.
© I Insel Hiddensee 360 I Lars Arnold Photography
