Eine kleine sommerliche Momentaufnahme von der wohl entspanntesten Insel
der Ostsee
Ein Vormittag in den Dünen
Der Morgen auf Hiddensee beginnt nicht mit Motorengeheul, sondern mit dem sanften Klappern von Pferdehufen auf dem Pflaster von Vitte. Es ist Juli, und die Luft riecht nach einer Mischung aus salziger Gischt und dem schweren, süßen Duft der Heckenrosen, die überall am Wegesrand blühen.
Du schwingst dich auf dein (vielleicht etwas klappriges) Leihfahrrad. Das Ziel: Kloster. Der Weg führt vorbei an Reetdachhäusern, in deren Gärten die Stockrosen um die Wette leuchten. Autos gibt es hier nicht – nur das Surren der Reifen auf dem schmalen Weg und das gelegentliche „Moin“, das dir ein entgegenkommender Insulaner zuwirft.
Das Licht am Dornbusch
Hinter Kloster wird es steil. Na ja, „hiddensee-steil“. Der Weg führt hinauf zum Hochland. Oben angekommen, am Leuchtturm Dornbusch, scheint die Welt nur noch aus Blau- und Grüntönen zu bestehen.
Der Blick: Unter dir die glitzernde Ostsee, die im Sonnenlicht aussieht, als hätte jemand Diamanten auf dem Wasser verstreut.
Die Stille: Nur der Wind, der durch das trockene Gras fährt, und das ferne Kreischen der Möwen.
Hier oben versteht man, warum so viele Dichter und Maler – von Gerhart Hauptmann bis Asta Nielsen – nicht mehr weg wollten. Es ist dieses besondere Licht, das alles ein bisschen weicher und zeitloser erscheinen lässt.
Goldene Stunden am Strand
Am Nachmittag zieht es dich an den Weststrand. Der Sand ist hier so weiß und fein, dass er unter den Füßen quietscht. Du suchst dir einen Platz in den Dünen, geschützt vor dem Wind.
Während die Sonne langsam tiefer sinkt, verfärbt sich der Himmel in ein sanftes Pastellrosa. Ein Fischerboot tuckert in der Ferne Richtung Schaprode zurück. Du öffnest eine Flasche Sanddornsaft – das „flüssige Gold“ der Insel – und spürst, wie der Stress des Festlands endgültig von dir abfällt.
Auf Hiddensee ticken die Uhren nicht langsamer; sie scheinen manchmal einfach ganz stehen zu bleiben.
Hier ist dein Fahrplan für einen perfekten, authentischen Hiddensee-Tag:
Zeit I Aktivität I Warum es sich lohnt
08:00 Uhr: Brötchen holen in Vitte. Bei der Inselbäckerei duftet es nach frischem Handwerk. Nimm ein „Hiddenseer Kanten“ mit!
10:00 Uhr: Ab in den Norden, Hucke. Wandere unterhalb der Steilküste am Strand von Kloster Richtung Norden. Die abgebrochenen Uferwände sind wild und urwüchsig.
13:00 Uhr: Fischbrötchen-Pause. Such dir einen Kutter im Hafen von Kloster. Frischer als direkt vom Boot geht es nicht.
15:00 Uhr: Kultur im Gerhart-Hauptmann-Haus. Ein Muss für den Geist. Die Atmosphäre im Sommerhaus des Nobelpreisträgers ist fast ehrfürchtig still.
18:00 Uhr: Picknick am Grieben Ganz im Norden ist es am ruhigsten. Pack dir eine Decke ein und beobachte, wie die Sonne hinter dem Dornbusch verschwindet.
Drei „Geheimtipps“ vom Inselkenner
Sanddorn-Check: Probier unbedingt den Sanddornkuchen im Café zum Klausner. Es liegt versteckt im Wald am Hochland – der Aufstieg wird mit dem besten Ausblick belohnt.
Die Blaue Scheune: In Vitte steht dieses markante Haus. Es war einst der Treffpunkt der Künstlerinnen um Henni Lehmann. Schau mal rein, oft gibt es dort kleine, feine Ausstellungen.
Barfuß-Modus: Hiddensee ist der perfekte Ort, um die Schuhe einfach mal im Rucksack zu lassen. Der Weg von Vitte nach Neuendorf am Strand entlang ist pures Wellness für die Füße.
Kleiner Hinweis: In Neuendorf (dem südlichsten Dorf) ist es oft noch einen Tick ursprünglicher als in Vitte oder Kloster. Dort gibt es keine Zäune um die Häuser – ein Gefühl von grenzenloser Freiheit.
Hier sind meine Favoriten für dein Reisegepäck:
Das Beste zum Mitnehmen
Sanddorn-Produkte (Das „flüssige Gold“): Vergiss den Standard-Sirup aus dem Supermarkt. Such nach Sanddorn-Geist oder echtem Insel-Honig mit Sanddornmark. Er schmeckt nach Sonne und herber Ostseeluft.
Hiddenseer Schmuck (Der „Hiddenseer Goldschmuck“): Keine Sorge, du musst kein Vermögen ausgeben. Es gibt wunderschöne Repliken des berühmten Wikingerschatzes, der einst auf der Insel gefunden wurde. Die markanten Kreuze und Fibeln gibt es oft als filigrane Silberanhänger in den kleinen Läden in Kloster.
Hühnergötter & Donnerkeile: Das beste Souvenir kostet gar nichts! An den Steinstränden unterhalb der Steilküste (Richtung Dornbusch) findest du mit etwas Geduld Feuersteine mit natürlichem Loch (Hühnergötter) oder versteinerte Tintenfisch-Skelette (Donnerkeile).
© I Insel Hiddensee 360 I Lars Arnold Photography