Insel

Hiddensee

Hiddensee im Winter – das ist kein Ort, das ist ein Zustand. Wenn der letzte Sommertourist die Fähre bestiegen hat und der Wind schärfer um das Leuchtfeuer Dornbusch pfeift, verwandelt sich die Insel in eine einsame, weiße Stille.

 

Hier ist eine kleine Geschichte über diesen besonderen Zauber:

 

Die Stille zwischen den Jahren

 

Es war ein Nachmittag im Januar, als die Welt auf Hiddensee plötzlich schwarz-weiß wurde. Der dichte Schneefall hatte die Reetdächer von Kloster unter einer schweren, glitzernden Haube begraben. Keine Autos (die gibt es hier ohnehin nicht), kein Stimmengewirr, nur das ferne, dumpfe Grollen der Ostsee, die gegen den Weststrand schlug.

 

Die Wanderung zum Dornbusch

 

Peter, der schon sein ganzes Leben auf der Insel verbrachte, zog seinen Wollschal fester. Er stapfte den schmalen Pfad hinauf in Richtung des Leuchtturms. Der Wind trug feine Eiskristalle mit sich, die auf der Haut prickelten wie Nadelstiche.

Oben angekommen, bot sich ihm ein Anblick, den kein Foto jemals einfangen könnte:

Das Meer war bleigrau und schwer.

 

An der Uferkante türmten sich Eisschollen, die das Wasser wie kleine Gebirgsketten an den Strand geschoben hatte.

Der Leuchtturm stand wie ein einsamer Wächter im Weiß, sein Licht suchte bereits rhythmisch den Horizont ab, obwohl es erst drei Uhr nachmittags war.

 

Ein Licht im Nebel

 

Auf dem Rückweg kehrte Peter in eine kleine Stube ein. Drinnen roch es nach Sanddornpunsch und brennendem Birkenholz. Ein paar Einheimische saßen beisammen; man nickte sich zu. Hier, im Winter, rückt die Inselgemeinschaft eng zusammen. Es wird wenig gesprochen, aber jeder weiß: Wer jetzt hier ist, liebt die Insel in ihrer ehrlichsten, rauesten Form.

 

Draußen am Hafen von Vitte klirrten die Masten der Fischerboote leise im Wind, während die Eiskristalle an den Fensterscheiben zu wachsen schienen. Hiddensee schlief nicht – es atmete nur tiefer.

 

Weißes Flüstern

 

Der Wind trägt Salz, die Welt wird weit, Hiddensee trägt sein Winterkleid. Wo sonst der Räder Rollen klingt, nur noch der Frost sein Liedchen singt. Der Dornbusch steht im weißen Glanz, die Wellen führen Eistanz. Ein Lichtlein brennt im Reetdachhaus, man schaut zum grauen Meer hinaus. Kein Schritt zu schnell, kein Wort zu laut, wenn Reif die Dünen überbaut. Die Insel ruht, das Herz wird frei, im Winter-Zauber-Einerlei.

 

Praktische Tipps für deine Winterreise

 

Falls du nun selbst die Stiefel schnüren möchtest, hier ein kurzer Check:

 

Anreise: Die Fähren fahren nach dem Winterfahrplan deutlich seltener (meist nur ab Schaprode). Checke unbedingt vorher die Zeiten der Weißen Flotte.

 

Kleidung: "Zwiebelprinzip" ist Pflicht. Der Wind auf dem Hochland (Dornbusch) ist gnadenlos und deutlich kälter, als das Thermometer vermuten lässt.

 

Verpflegung: Viele Restaurants haben Winterpause. In Vitte und Kloster gibt es jedoch immer eine kleine Auswahl, die offen hat – oft erkennbar an der Tafel mit "Hausgemachtem Sanddornpunsch".

 

Einkaufen: Der Edeka in Vitte hat reduzierte Öffnungszeiten, versorgt dich aber mit dem Nötigsten.

 

Was macht Hiddensee im Winter so besonders?

 

Merkmal:         Erlebnis

Atmosphäre:    Absolute Stille, nur das Rauschen des Meeres und der Wind.

Natur:              Bizarr geformte Eisgebilde am Strand und schneebedeckte Dünen.

Tempo:             Alles verlangsamt sich; die Uhren scheinen anders zu gehen.

 

"Hiddensee ist im Sommer ein Garten, im Winter aber eine Seele."

 

© I  Insel Hiddensee 360  I  Lars Arnold Photography