Insel Hiddensee

360°

Hiddensee

 

Die Insel Hiddensee liegt westlich von Rügen in der Ostsee. Sie gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gemeinde Insel Hiddensee (bis zum 2. Februar 1993 Hiddensee) umfasst die Insel sowie die ihr östlich vorgelagerte Fährinsel und gehört seit 2005 zum Amt West-Rügen mit Sitz in der Gemeinde Samtens. Hiddensee ist ein beliebter Urlaubsort. Von privaten Kraftfahrzeugen darf die Insel nicht befahren werden.

 

Name

 

Der Name „Hedinsey“ taucht bereits in der Prosa-Edda und in den Gesta Danorum des Saxo Grammaticus auf und bedeutet so viel wie „Insel des Hedin“. Der legendäre Norwegerkönig Hedin soll hier um eine Frau oder auch nur um Gold gekämpft haben. Unter dänischer Herrschaft war offiziell „Hedins-Oe“ gebräuchlich. Bis 1880 hieß die Insel auch in deutschen Karten noch „Hiddensjö“, 1929 in deutschen Reiseführern noch „Hiddensöe“. Die vollständige Eindeutschung und Umdeutung zu „Hiddensee“ ist also relativ jung.

 

Geografie

 

Hiddensee ist etwa 16,8 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle etwa 250 Meter und an der breitesten etwa 3,7 Kilometer breit. Innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ist sie die größte Insel und gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist der Insel Rügen westlich vorgelagert und unterteilt sich in einen hügeligen, über 70 Meter hohen Nordteil (Dornbusch, höchster Punkt ist der Bakenberg mit 72 m ü. NN), eine Dünen- und Heidelandschaft im zentralen (Dünenheide) und einen flachen, nur wenige Meter hohen Südteil, den Gellen. Im Nordosten befinden sich die beiden drei Kilometer langen Sandhaken Alter Bessin und Neuer Bessin. Begrenzt wird die Insel durch den Schaproder Bodden und Vitter Bodden im Osten, den Gellenstrom (die Fahrrinne nach Stralsund) im Süden und die offene Ostsee nach Westen und Norden.

 

Im Durchschnitt verliert die Kliffkante des Dornbusch etwa 30 cm jährlich. Mitte März 2004 rutschten dann nochmals rund 10.000 m³ ins Meer. Geologisch gesehen ist Hiddensee ein sich in stetem Wandel befindendes Gebiet. Die an der Nordspitze abgetragenen Landmassen werden an der Südspitze und an der Ostseite zum Schaproder Bodden wieder angespült. So entstanden an der Südspitze der Gellen und auf der Ostseite die beiden geologisch sehr jungen Sandhaken (Landzungen) Alter Bessin und Neuer Bessin. Der Alte Bessin begann sich vor etwa 300 bis 400 Jahren herauszubilden und war schon Mitte des 19. Jahrhunderts über drei Kilometer lang. Seit damals ist er kaum noch gewachsen. Dagegen wächst der um 1900 entstandene benachbarte Neue Bessin jährlich um 30 bis 60 Meter und erreicht auch schon eine Länge von drei Kilometern. Inzwischen ist ein dritter Bessin im Entstehen. Auch die Südspitze wächst als sogenanntes Windwatt weiter in den Bodden.

 

Flora und Fauna

 

Hiddensee ist die größte Insel des Nationalparkes Vorpommersche Boddenlandschaft und vereinigt eine alte Kulturlandschaft mit den Hutungen der ursprünglich vorhandenen Dünenheide. Die großen Neulandbildungen im Nordosten (Alter und Neuer Bessin) und Süden (am Gellen) Hiddensees bieten Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere, wie Würmer und Muscheln. Diese dienen dann vielen Zugvögeln als Nahrung. So ist die Inselumgebung einer der bedeutendsten Kranichrastplätze Deutschlands. Die Südspitze der Insel sowie der Neue Bessin wurden deshalb der Schutzzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zugeordnet und dürfen nicht betreten werden. Auf der Insel gibt es zwei Naturschutzgebiete, das NSG Dünenheide zwischen Neuendorf und Vitte und das NSG Dornbusch und Schwedenhagener Ufer im Norden. Die Naturschutzgesellschaft Hiddensee und Boddenlandschaft unterhält in Vitte im Nationalparkhaus eine ständige Ausstellung zur Fauna und Flora.

 

Geschichte

 

Bis 1800

Die ersten Besiedlungen der Insel erfolgten in der mittleren und jüngeren Steinzeit. Nachdem im 6. Jahrhundert n. Chr. die germanische Bevölkerung den südlichen Ostseeraum verlassen hatte, nahmen die Ranen (Slawen), die 1168 von König Waldemar I. von Dänemark durch die Eroberung der Festung Jaromarsburg am Arkona auf Rügen besiegt, christianisiert und unter dänische Lehnsabhängigkeit gebracht wurden, Besitz von der Insel. Hiddensee stand damit unter dänischer Hoheit. Am 13. April 1296 wurde die Insel Hiddensee so wie sie vom Salzmeere umflossen vom Rügenfürsten Wizlaw II. dem Kloster Neuenkamp geschenkt. Hier entstand eine Zisterzienserabtei namens Nikolaikamp, benannt nach dem Heiligen Nikolaus als dem Schutzpatron der Seefahrer. Tatsächlich hieß das Kloster aber während der gesamten Zeit des Bestehens Kloster Hiddensee. Zeitgleich mit dem Aufbau des Klosters wurden in den Jahren 1302 bis 1306 auf dem Gellen im Süden der Insel die Gellenkirche, ein kleines Leuchtfeuer, Luchte genannt, sowie der erste Hafen gebaut. Die Fundamente dieser Bauwerke befinden sich heute westlich des Gellens in der Ostsee.

1332 wurde die noch heute bestehende Inselkirche, bestimmt für die Bauern und Fischer der Insel, im heutigen Ortsteil Kloster außerhalb der Klostermauern geweiht. Mit der Überführung des Taufsteines aus der Gellenkirche in die neue Kirche wurden seitdem seelsorgerische Aufgaben von dort ausgeführt. Das um 1781 eingebaute Tonnengewölbe erhielt 1922 durch den Berliner Maler Nikolaus Niemeier eine Ausmalung mit Rosendekor.

Kreuz des Hiddenseer Goldschmucks in Stralsund

Im Verlauf der Reformation wurde das Kloster 1536 aufgelöst. Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 wurde auf Anordnung von Wallenstein im Jahr 1628 der Eichenmischwald auf dem Dornbusch abgebrannt. Damit wollte man den Dänen die Insel als Möglichkeit zur Nutzholzgewinnung entziehen. Auch heute kann man an den Wegrändern in der Nähe des Leuchtturms wenige Zentimeter unter der Grasnarbe noch die Ascheschicht von damals erkennen. In den Jahren von 1648 bis 1815 befand sich Hiddensee wie das gesamte Vorpommern unter schwedischer Verwaltung. Von 1754 bis 1780 war Joachim Ulrich Giese Eigentümer der Insel und begann mit dem Abbau von Ton für die von ihm gegründete Stralsunder Fayencenmanufaktur.

 

1801 bis 1944

 

Ab 1815 gehörte Hiddensee mit Vorpommern bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu Preußen und war dem Landkreis Rügen (bis 1939 Kreis Rügen) zugeordnet. Im Jahr 1835 erwarb das Stralsunder Kloster zum Heiligen Geist die Insel, und 1837 bzw. 1840 wurden in Plogshagen und Kloster die ersten Schulen auf der Insel gebaut. In den Jahren zwischen 1854 und 1864 kam es im Rahmen der Ablösung der Reallasten (Bauernbefreiung) auch auf Hiddensee zu einer Neuordnung der Grundstücksverhältnisse. Während dieser Zeit, ab 1861, wurde mit der Wiederaufforstung des Dornbuschs begonnen.

Jeweils in den Jahren 1864 und 1872 wurde die Insel von schweren Sturmhochwassern heimgesucht. Beim Ersteren zerbrach Hiddensee durch eine vollständige Überflutung des Mittelteils in zwei Teile, was nur durch umfangreiche Aufbaumaßnahmen wieder rückgängig gemacht werden konnte. Nach dem zweiten Sturmhochwasser soll der bis heute berühmte Hiddenseer Goldschmuck (eine Wikingerarbeit aus dem 10. Jahrhundert) gefunden worden sein. Eine Replik davon kann man heute im „Heimatmuseum Hiddensee“ besichtigen, das Original wird im Kulturhistorischen Museum Stralsund verwahrt.

Im Jahr 1874 wurde der Amtsbezirk Hiddensee gebildet. 1888 wurden in Kloster der Leuchtturm auf dem Dornbusch, der Hafen sowie die Seenotrettungsstation fertiggestellt. Von 1892 an verkehrten erstmals regelmäßig Dampfer zwischen Stralsund und Kloster. Ab 1905, mit Gründung des Arztzweckverbandes, wurde der erste Arzt auf Hiddensee eingestellt. 1927 wurde die Insel an das Stromnetz angeschlossen. Drei Jahre später wurde die Biologische Forschungsstation gegründet, aus der 1936 zusammen mit einer Vogelwarte die „Biologische Forschungsanstalt Hiddensee“ entstand. Zwischen 1937 und 1939 wurden die drei Gemeinden auf der Insel zur „Gemeinde Hiddensee“ zusammengefasst.

 

1945 bis 1989

 

Im Jahr 1945 wurde Hiddensee am 4. und 5. Mai von sowjetischen Truppen besetzt. Im selben wie im folgenden Jahr wurde im Rahmen der Bodenreform der Gutshof Hiddensee in 18 Neubauernstellen aufgeteilt. 1952 wurde die Fährverbindung zwischen Seehof auf Rügen und der Fährinsel eingestellt. In den Jahren von 1952 bis 1955 war es dem Kreis Bergen zugehörig.

Im Jahr 1953 flüchteten während der Aktion Rose einige Hoteliers in den Westen, andere wurden verhaftet. Nach dieser Aktion wurden alle Hotels auf der Insel durch den FDGB übernommen. In den fünfziger Jahren eröffneten das Heimatmuseum und das Gerhart-Hauptmann-Haus; die LPG „Dornbusch“ wurde gegründet. 1962 begann der Deichbau zwischen Kloster und Vitte. Die Genossenschaftsreederei wurde durch die „Weiße Flotte“ Stralsund übernommen und die Fischer durch die Gründung der FPG „De Süder“ in Neuendorf und „Swantevit“ in Vitte eingebunden.

Am 10. April 1967 begann im Ergebnis seeseismischer Untersuchungen im Norden der Insel Hiddensee mit der Forschungsbohrung „E Rügen 2/67“ die Erdölerkundung. Diese 4.602 m tiefe Bohrung erbrachte ebenso wie die bis Dezember 1968 folgenden Bohrungen „E Hiddensee 3/67, 4/68 und 5/68“ kein verwertbares Erdölvorkommen. Daher wurde die bereits vorbereitete 5. Bohrung abgesagt, alle Bohrungen wurden im Sommer 1971 verfüllt.[3]

Hiddensee galt als Nische für Andersdenkende und Aussteiger, die im Sommer oft in Hotels, Restaurants oder als Rettungsschwimmer arbeiteten. Auf der kleinen Insel waren sie gut zu kontrollieren, und trotz teilweise offener Stasi-Beobachtung wurden manche Vorfälle und Treffen hingenommen. Auf Hiddensee herrschte ein intellektuelles Klima, und Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler zogen sich hierhin zurück, wie Jo Harbort, Christine Harbort, Günter Kunert, Kurt Böwe, Harry Kupfer, Inge Keller, Günther Fischer, Armin Mueller-Stahl, Christoph Hein, Robert Rompe oder Mitglieder der Punkband Feeling B. Nina Hagen gibt zwar an, nie auf Hiddensee gewesen zu sein, ihr berühmter Schlager Du hast den Farbfilm vergessen drückt jedoch ein „Sehnsuchtsmotiv nach dieser ungewöhnlichen Insel“ aus.[4] Am 7. Mai 1989 gab es bei der DDR-Kommunalwahl auf Hiddensee 4,7 Prozent Gegenstimmen.

1989 bis heute

 

Im Jahr 1992 wurden die Forschungseinrichtungen „Versuchsstelle Schwedenhagen“ des Berliner Zentralinstitutes für Elektronenphysik und die „Versuchsstelle Fährinsel“ des Jenaer Zentralinstitutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie aufgegeben. 1996 erkämpfte sich die Insel die Amtsfreiheit, die sie jedoch im Jahr 2005 im Zuge der Gebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern wieder verlor. Seitdem gehört sie zum Amt West-Rügen. Die Gemeinde gehörte bis 1990 zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock und wurde im selben Jahr Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

 

Sturmhochwasser

 

Immer wieder wurde Hiddensee von Sturmhochwassern heimgesucht. So soll im Jahr 1304 die Insel durch die Allerheiligenflut von der Insel Rügen getrennt worden sein. Dies ist aber umstritten. In den Jahren 1864 und 1865 wurde die Insel dreimal von Sturmhochwassern zwischen Hohen Dünschen Garn und Peterbergschen Garn, einer sehr flachen und dünnen Stelle, durchbrochen. Vom 12. zum 13. November 1872 wurde Hiddensee bei Plogshagen erneut überflutet. Auch heute noch droht die Teilung der Insel in einen Süd- und einen Nordteil, welche nur durch umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen verhindert werden kann.

 

 

quelle: http://de.wikipedia.org

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